Ein Frustrierter überlegt, was er dem Verursacher seiner oder öffentlicher Leiden spontan antun könnte, erst mal für sich alleine. Es arbeitet in ihm, denn es geht immerhin darum, angemessen auf eine gesellschaftliche Sauerei zu reagieren. Danach versucht der Frustrierte am besten es in eine öffentlich noch vorzeigbare Form zu bringen, zugleich der Provokation des Verursachers angemessen - und genau das inszeniert er dann künstlerisch, etwa literarisch, oder als DEMOnstration, oder in einer Galerie, als Clown in einem Zirkus, bei einer Aufführung in einer Schule, oder sonst wie. Für eine improvisierte Sofortaktion hilft oft die EMO, siehe unten.


Ausmisten



Zur Anregung werden fünf spektakuläre Optionen genannt (natürlich gibt es viel mehr), deren Verwendung man in der Praxis sorgfältig abwägen muss: 

1. Eine "drastische emotionale Abrechnung", die man sich als Frustrierter aus spontanem Ärger heraus im Detail ausmalt - frei nach dem alten
    Motto "legal, illegal, scheißegal". Das würde in der Praxis allerdings nur selten ohne noch größeren Ärger realisierbar sein, denn damit ist
    man allzu nahe bei den Aktionen einer "Ehrenwerten Gesellschaft", leider hat sie den Namen "Mafia". Da könnten dem Frustrierten im
    Gefängnis vielleicht die Briefmarken für spätere EMOs fehlen. Deshalb empfehle ich diese Variante nur zur Anregung, um sich was Tolles
    auszumalen - nicht um es auszuagieren! Es ist aber praktisch, es dient der Belebung der eigenen Fantasie, und ist ein erstes soziales
    Ventil
. Für die Umsetzung sind dann andere Optionen da.

2. Ausagieren, immer im Rahmen des eigenen Problems oder Themas, durchaus auch öffentlich, mit einem Grunztstück. Es ist eine Innovation
    einer Kunstform, eines theatralischen Kunststückes. Die dramatischen Aktionen eines Grunztstückes liegen zwischen Pantomime und dem
    üblichen Theater mit gesprochener Rede. Pantomime darf in jeglicher Form einbezogen werden. Die verständliche menschlichen Rede ist je
    nach Situation weitgehend oder völlig ausgeschlossen. Erlaubt und erwünscht ist viel demonstratives Ausagieren mit Grunzen, Stöhnen,
    Brummen, Summen, Schreien, Japsen, schwerem Atmen, Jaulen, Wimmern, Lachen, Kreischen, allerlei Tierlauten, technischen Geräuschen.
    Hinzu kommen höchstens halbartikulierte Wortfetzen, oder Worte auf Plakaten, jedoch soll die Aussage so weit wie möglich ohne Worte
    gelingen. Möglich ist „alles Mögliche“, etwa abrupte,  groteske Bewegungen ebenso wie behutsame, mußevoll besinnliche Gesten. Das
    Grunztstück kann in einem Drehbuch detailliert vorgegeben sein, mit klaren Regie-Anweisungen wie bei einem Film. Ebenso kann es als
    spontanes Improvisations-Theater spielerisch, pädagogisch, therapeutisch realisiert werden. Man geht immer vom eigenen Anliegen, Problem,
    Thema aus, dazu kann eine Ideenvorgabe am Anfang genügen, oder sich eine ausgearbeitete Szenenfolge empfehlen.

3. Eine Kurzgeschichte mit einer "drastischen emotionalen Abrechnung", etwa in einer Zeitung, einer Vereinszeitschrift. Es gibt viele Varianten,
    etwa als Essay in einem Uni-Seminar, wenn der Professor es toleriert oder sogar wünscht …   
    Als Beispiel siehe Bundesverflixtkreuz

4. Eine inszenierte EMO, durchaus real anzuschauen, auf einer öffentlich angekündigten Bühne. Das kann ein Umweltschutz-Verein gegen
    Verschmutzungen improvisieren. Das gelingt vielleicht mit Studenten einer Schauspielschule, oder mit den Schülern irgendeiner anderen,
    munteren Schule, die großen Spaß haben, wenn sie eine sozial gut begründete, EMOtionale Abrechnung richtig ausgestalten und darstellen
     dürfen.

5. Eine Abrechnung mit Hilfe von Medien, so etwa mit animierten Grafiken, oder als Comics, oder unter Verwendung von Hacking auf die
    Internet-Homepage eines Verursachers, oder ewigalt-immerneu-modisch mit Bildern in einer Galerie. Hierfür eröffnen traditionelle ebenso wie
    moderne Medien 1001 märchenhafte Optionen.

Soweit die spektakulären Aktionen. Das wird nicht immer gelingen.


Immer machbar: Eine EMO



Was kann jeder genau im eigenen Umfeld machen, sofort, einfach und jederzeit? Eine EMO mit Hilfe des EMO-Handbuches! Allerdings muss man sich erst Mal aufraffen. Wir leben alle in einer „Gesellschaft der Überforderten“. Wobei zugleich wir selbst es sind, die andere überfordern - anstatt EMOs zu schreiben. Viele EMOs werden nämlich nicht geschrieben, weil man seinen Brecht oder Kafka nicht ordentlich gelesen und verinnerlicht hat, sprich weil man sich an die Gemeinheiten dieser Welt derart gewöhnt hat, dass man die laufenden Anlässe für EMOs gar nicht mehr richtig wahrnimmt, noch weniger sie wahrhaben will.

So mancher unter uns, der das Elend und die Ungerechtigkeiten ahnt, ist lieber überwältigt und depressiv als munter und aggressiv. Da lässt man sich alles gefallen und beschränkt sich darauf, schön "brav" zu sein, anständig, ehrlich, mit einem resignierenden Unterton. "Der Ehrliche ist der Dumme", so drückt es Ulrich Wickert mit seinem Buchtitel aus, und am Ende notiert er: "Es sollte allen bewusst sein, dass der Westen erst am Anfang der Kulturkrise steht ...", dann aber auch: "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg."

Die EMOs können als ein munterer Weg für jegliche bessere Zukunft wegweisend sein. Sie kommen am Besten von jedem von dort wo er ist, In krassen Fällen noch dazu künstlerische DEMOs von Edelterrorristen.  Es gibt eine Fülle von praktischen Umsetzungen, nicht nur privat sondern öffentlich gut sichtbar in Zeitungen, auf Bühnen, in Galerien, überall.


Philipp Sonntag: EMO-Handbuch - So schreibe ich eine "Emotionale Rechnung". Thurneysser Verlag, 2007, 135 Seiten, 11,80 €. zum Bestellformular